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Mara Pollak Holzfällen 2021
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Hasankeyf

Seit Herbst vergangenen Jahres steigt der Pegel täglich um einen Meter. Mittlerweile sind die Spuren von fast 12000 Jahren Menschheitsgeschichte mit einer Vielzahl historisch bedeutsamer Stätten im Wasser des riesigen Ilısu-Stausees versunken. Hasankeyf, gelegen am mesopotamischen Fluss Tigris, ist nur eine von rund 200 Ortschaften im Südosten Anatoliens, die dem gewaltigen Staudamm-Projekt weichen musste. Die Ilısu-Talsperre staut den Tigris auf einer Länge von 140 Kilometern und zwingt rund 100 000 Bewohner der Region dazu, ihr Haus und Land zu verlassen. Zu Beginn des Projektes, in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, ging es dem energiearmen Land um Stromgewinnung – so bis heute die offizielle Aussage der Regierung in Ankara. Jedoch lässt die Tatsache, dass der Tigris eine Hauptwasserquelle für den Irak und Syrien ist, zudem geostrategische Interessen der Türkei vermuten. Da das Gebiet rund um Hasankeyf überwiegend von Kurden bewohnt wird, sprechen kritische Stimmen zudem über den Damm als eine Art Barriere gegen die Kämpfer der kurdischen PKK. Internationale Kultur- und Naturschützer haben in den vergangenen Jahren gegen den Bau des Damms protestiert. Die Pläne der EU, Hasankeyf zum Weltkulturerbe zu erklären, wurden von der türkischen Regierung abgelehnt. In Anbetracht des internationalen Protests kündigte die Regierung Verbesserungen hinsichtlich des Umgangs mit den Kulturgütern an. Sie ließ ein halbes Dutzend historischer Bauten, darunter eine jahrhundertealte Moschee, in einen neu angelegten »Archäologiepark« versetzen. Doch die mehr als 6000 Höhlenbehausungen, die die Menschen über die Jahrtausende errichteten und in denen bis vor Kurzem noch Familien lebten, wurden zubetoniert und sind zusammen mit einer einzigartigen Naturlandschaft im Wasser verschwunden. Oberhalb des jetzigen Staudammpegels, am Rand der Berge, liegt nun Neu-Hasankeyf. Auf einer staubtrockenen Hochebene hat ein staatlicher Wohnungsbaukonzern 2014 mit dem Bau einer Retortenstadt begonnen. Eine Siedlung geplant am Reißbrett, in der nur die kommunalen Gebäude optisch aus einem Muster an immer gleichen Häusern ausbrechen. Jedoch reichen die gezahlten Abfindungen nur wenigen der ehemaligen Bewohner aus, um sich ein Haus in der neuen Siedlung kaufen zu können. Und selbst die Bewohner, die sich einen Umzug nach Neu-Hasankeyf leisten konnten, klagen von Beginn an über trockene Wasserleitungen und erhebliche Baumängel an Häusern und Straßen. Ein Paradoxon – für Menschen, die ihre Wurzeln aufgeben und dem Wasser weichen mussten.


exhibition view:
Kösk, München 2020

großformatige Fotografien
Leuchtkästen
diverse Formate

review: Süddeutsche Zeitung, 06.2020